Kommunen am Limit: Jetzt gemeinsam Einsparpotenziale heben – aber nicht auf Kosten der Menschen

Veröffentlicht am: 25.06.26

BeB fordert Bürokratieabbau statt Leistungskürzungen

Der Evangelische Bundesfachverband für Teilhabe (BeB) warnt davor, die finanzielle Schieflage der Kommunen durch Einsparungen bei Menschen mit Behinderung auszugleichen. Hintergrund ist der bundesweite Aktionstag „Kommunen am Limit“ am 22. Juni 2026, an dem mehr als 1.500 Städte, Gemeinden und Landkreise auf eine dramatische Finanzkrise hingewiesen haben. Sie verlangen eine grundlegende Reform der Finanzierungsstrukturen, da ihnen aufgrund steigender Pflichtaufgaben jährlich ein Defizit von rund 30 Milliarden Euro droht.

„Die finanzielle Lage vieler Städte und Landkreise ist zweifellos ernst. Doch Menschen mit Behinderung dürfen nicht zum Sparpotenzial erklärt werden“, sagt Pfarrer Frank Stefan, Vorsitzender des BeB. „Wer Leistungen zur Teilhabe kürzt, verschiebt Probleme nicht nur auf die Betroffenen und ihre Familien, sondern gefährdet gesellschaftliche Teilhabe und sozialen Zusammenhalt. Die Antwort auf knappe Kassen kann nicht lauten, ausgerechnet bei den Menschen zu sparen, die auf Unterstützung angewiesen sind.“

Der BeB unterstützt deshalb die bundesweite Kampagne „Nicht am Menschen sparen“, die von sozialen Trägern initiiert wurde und inzwischen von zahlreichen Einrichtungen und Verbänden getragen wird. Die Kampagne verbindet die klare Absage an Leistungskürzungen mit konkreten Vorschlägen für mehr Effizienz und weniger Bürokratie im Sozialbereich.

„Die Diskussion wird derzeit zu stark auf die Ausgaben für Teilhabeleistungen verengt“, so Stefan weiter. „Dabei bleibt häufig unbeachtet, wie viele Ressourcen durch komplexe Verwaltungsverfahren, unterschiedliche Standards, Medienbrüche und Doppelarbeit gebunden werden. Wer ernsthaft sparen will, muss diese Strukturen in den Blick nehmen.“

Der BeB fordert Bund, Länder, Kommunen und Leistungserbringer deshalb auf, gemeinsam die tatsächlichen Kostentreiber zu analysieren und bestehende Reformpotenziale konsequent zu nutzen.

Dass dies möglich ist, zeigen bereits konkrete Praxisbeispiele. Im Rems-Murr-Kreis in Baden-Württemberg haben die Diakonie Stetten und das Landratsamt gemeinsam ein Pilotprojekt gestartet, um Verwaltungsprozesse in der Eingliederungshilfe zu vereinfachen, zu standardisieren und stärker zu digitalisieren.

Dietmar Prexl, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten und Mit-Initiator der Kampagne „Nicht am Menschen sparen“, erklärt: „Die Kommunen brauchen Entlastung. Darüber besteht überhaupt kein Streit. Die entscheidende Frage lautet aber: Sparen wir bei den Menschen – oder sparen wir dort, wo unnötige Bürokratie Zeit, Geld und Personal bindet? Unsere Erfahrung zeigt: Es gibt erhebliche Effizienzpotenziale, wenn Leistungsträger und Leistungserbringer gemeinsam Prozesse vereinfachen, Standards vereinheitlichen und Digitalisierung konsequent nutzen. Genau dort müssen wir ansetzen.“

Der BeB fordert deshalb eine bundesweite Initiative zur Entbürokratisierung der Eingliederungshilfe. Ziel müsse es sein, Ressourcen freizusetzen, die heute in Verwaltung gebunden sind und stattdessen den Menschen zugutekommen.

„Die Herausforderungen für die öffentlichen Haushalte werden nicht kleiner“, so Stefan. „Gerade deshalb brauchen wir Lösungen, die sowohl finanziell als auch sozial nachhaltig sind. Nicht am Menschen zu sparen ist kein Kostenproblem – sondern eine Frage der gesellschaftlichen Verantwortung.“

Weitere Informationen: www.nichtammenschensparen.de

Für Rückfragen und weitere Informationen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des BeB.

Sevinç Topal
Pressekontakt Evangelischer Fachverband für Teilhabe (BeB)

Telefon: 030 83001-274
presse@beb-ev.de

Mitglieder-Login

Herzlich Willkommen

Auf der neuen Website des BeB e.V.

Wir begrüßen Sie herzlich auf unserer neuen Website.

Sollten Sie Inhalte vermissen, schauen Sie bitte in unser Archiv. Dort stellen wir Ihnen alle Inhalte der alten Website zur verfügung.
https://archiv.beb-ev.de

Suchen