Arbeiten auf einer Augenhöhe

BeB-Tagung zu Selbstbestimmung und Teilhabe für Menschen mit Behinderung, Angehörige und Assistent/innen

Erstmals hat der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) einen Kongress organisiert, an dem behinderte Menschen von der Vorbereitung bis zur Abschlusserklärung gleichberechtigt mitarbeiten. Die integrative Tagung mit dem Titel „Einmischen – Mitmischen – Selbstmachen!“ findet vom 24. bis zum 26. Januar im brandenburgischen Rheinsberg statt.

Bei diesem Projekt engagiert sich der BeB personell wie finanziell, unterstützt wird das Projekt von der Aktion Mensch und der Fürst Donnersmarck-Stiftung. Für Thomas Golka, Pressereferent der Stiftung, waren schon die Vorbereitungstreffen „das gelebte Motto der Tagung: Nichts über uns ohne uns.“ In einer 13-köpfigen Gruppe hatten behinderte und nichtbehinderte Teilnehmer gleichberechtigt zusammengefunden. „Wir haben stets auf Augenhöhe miteinander gearbeitet“, so Golka. Mit 220 Teilnehmern hat die Nachfrage die Erwartungen der Planer übertroffen. Weiteren einhundert Interessenten musste abgesagt werden.

Trotz einer Podiumsdiskussion mit der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Karin Evers-Meyer (SPD), und den behindertenpolitischen Sprechern der Bundestagsfraktionen stehen nicht Forderungen an die Politik im Mittelpunkt der Tagung. Vielmehr wollen die Teilnehmer in Arbeitsgruppen ihre Erfahrungen austauschen. Dabei geht es um Möglichkeiten, für die eigenen Wünsche und Ziele selbst einzutreten. „In der etablierten Behindertenhilfe reden Menschen mit Behinderung noch zu wenig mit. Diese Tagung soll ermuntern, sich einzumischen und eigene Interesse zu vertreten“, erläutert Michael Conty, Mitglied im erweiterten Vorstand des BeB, die Beweggründe für die Tagung. Ulla Raphael, Mitglied in ständigen Ausschuss für Angehörige und gesetzliche Betreuer, ergänzt: „Die Angehörigen, die hoffentlich zahlreich kommen, können unendlich voneinander lernen. Auch werden sie Menschen mit Behinderung treffen, die sich in wunderbarer Weise selbst vertreten.“

Die Regeln für den Umgang miteinander hat die Vorbereitungsgruppe in Anlehnung an "Mensch zuerst" - Gepflogenheiten formuliert: Niemand wird ausgelacht, jeder redet freiwillig, man hört zu und lässt den anderen ausreden. Sven Waldmann, Vorstand von "Stolpersteine", einer thüringischen Selbsthilfegruppe, sagt: "Die Regeln für den Kongress haben wir gemeinsam geschaffen, wir werden sie auch gemeinsam achten."

Eva Luise Köhler, Frau des Bundespräsidenten, hat der Rheinsberger Tagung in einem Grußwort bereits viel Erfolg gewünscht. Die Bereitschaft von Bürgern und Bürgerinnen mit Behinderungen, ihre eigenen Erfahrungen und ihre Vorstellungen von einem selbstbestimmten Leben einzubringen, sei eine wesentliche Voraussetzung für die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Arbeitsleben.

www.beb-ev.de; www.beb-einmischen.de, www.aktion-mensch.de; www.fdst.de

 

 

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