BeB bedauert Unrecht und Leid

Rückhaltlose Aufklärung notwendig, aber auch Konsequenzen für heutiges und zukünftiges Handeln

Berlin, 16.3.2010 – Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e. V. (BeB) ist aufmerksam und betroffen hinsichtlich der Geschehnisse im Johanna-Helenen-Heim der Evangelischen Stiftung Volmarstein in den 50er und 60er Jahren. In diesem Haus waren Kinder und Jugendliche mit Behinderung schwerer körperlicher und seelischer Gewalt ausgesetzt. Sie sind gequält, misshandelt und gedemütigt worden. Der BeB bedauert das Unrecht und Leid, das den Betroffenen zugefügt worden ist, und spricht ihnen sein Mitgefühl aus.

Der BeB begrüßt die rückhaltlose Aufklärung der z. T. mehr als 50 Jahre zurückliegenden Praxis durch die Evangelische Stiftung Volmarstein. Dies war die Voraussetzung für notwendige, um Aussöhnung und persönliche Genugtuung bemühte Gespräche mit den Betroffenen, aber auch die Grundlage für Lernprozesse von Einrichtungen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der Verantwortlichen im Rechtswesen, in der Sozialhilfe-Verwaltung und der Politik. Der BeB ist dankbar, dass es in Volmarstein gelungen ist, mit allen Beteiligten gemeinsam einen konstruktiven Weg der Auseinandersetzung und der Bewältigung zu finden.

Der BeB hält es für angezeigt, dass die Behindertenhilfe-Praxis der Nachkriegszeit unter Berücksichtigung der äußeren Umstände und der inneren Verhältnisse in den Heimen – wie bereits in der Psychiatrie geschehen – kritisch aufgearbeitet wird. Er ermutigt seine Mitgliedseinrichtungen ausdrücklich zu einer vertieften Beschäftigung mit der eigenen Institutionsgeschichte und insbesondere auch mit dem Thema „Gewalt in der Behindertenhilfe“. Gute Beispiele wie z. B. auch die Aufarbeitung der Diakonischen Stiftung Wittekindshof sollten Schule machen.

Der BeB hofft, dass auch andere öffentliche und karitative Träger, die in der Nachkriegszeit an der Arbeit mit Menschen mit Behinderung beteiligt waren, ihren Beitrag zur Aufarbeitung dieses Teils unserer Geschichte leisten. Gleichzeitig muss nach Auffassung des BeB darauf geachtet werden, dass es nicht bei einer rückwärtsgerichteten Betrachtung der Verhältnisse bleibt, sondern im Kontext der Zeit Umstände und Ursachen für Gewaltanwendung nüchtern analysiert und Konsequenzen für heutiges und zukünftiges Handeln deutlich gemacht werden.

Der BeB ist seinerseits um entsprechende flankierende Maßnahmen bemüht. Er wird seine Mitgliedseinrichtungen umfassend informieren, Hinweise zur qualifizierten und produktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte der jeweiligen Einrichtung geben und für den Erfahrungsaustausch zwischen den Einrichtungen sorgen. Beispielsweise hat der BeB im Januar 2010 einen Info-Tag für Mitglieder veranstaltet, und für das kommende Jahr ist eine groß angelegte Fachtagung zum Thema „Gewalt in der Behindertenhilfe“ in Planung.

Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. ist ein Fachverband im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in in Deutschland. Seine rund 600 Mitgliedseinrichtungen halten Angebote für mehr als 100 000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen aller Altersstufen bereit. Damit deckt der BeB bundesweit annähernd 50 Prozent der Angebote der Behindertenhilfe sowie wesentliche Teile der Sozialpsychiatrie ab. Als Zusammenschluss von evangelischen Einrichtungen, Diensten und Initiativen fördert, unterstützt und begleitet der BeB Menschen mit Behinderungen oder psychischer Erkrankung und ihre Angehörigen.

Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB)
Pressesprecher: Dr. Thomas Schneider
Tel./Fax: 030/83001-274/-275, Mobil: 0160/ 90 24 26 75
E-Mail: schneider@beb-ev.de, www.beb-ev.de

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