Hilfe im Konfliktfall Behinderung

BeB-Handreichung zu „Beratung und Begleitung bei pränataler Diagnostik“

Berlin, 16.9.2008 – Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) hat eine Handreichung zur „Beratung und Begleitung bei pränataler Diagnostik" entwickelt, die noch im Jahr 2008 veröffentlicht werden soll und Empfehlungen für eine geregelte Kooperation und Vernetzung aller beteiligten Disziplinen und Professionen enthält. Hintergrund ist die ständige Weiterentwicklung der Möglichkeiten zur vorgeburtlichen Diagnostik von Krankheiten und Behinderungen sowie die derzeitige Debatte um die Reduzierung von Spätabtreibungen. Der von der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag in diesen Tagen eingereichte Gruppenantrag sieht eine umfassende medizinische und psychosoziale Beratung sowie eine Bedenkzeit von mindestens drei Tagen vor, wenn bei Embryonen schwere Krankheiten bzw. drohende Behinderungen festgestellt werden.

Derzeit werden die zur Verfügung stehenden Angebote der pränatalen Diagnostik (und der Humangenetik) Schwangeren und Paaren häufig ohne adäquate Aufklärung und Beratung über die möglichen Folgen unterbreitet. Im klassischen Konfliktfall stehen die Lebensinteressen des ungeborenen Kindes gegen die des Elternpaares, das sich kein Leben mit einem Kind mit einer (schweren) Beeinträchtigung vorstellen kann. Die Frage des Schwangerschaftsabbruchs ist nicht nur eine individualethische, sondern vor allem eine sozialethische Entscheidung mit weitreichenden Folgen. Die Schwangere und die beteiligten Ärzte sehen sich einem Entscheidungs-, Zeit- und Gewissensdruck, letztlich aber auch einem gesellschaftlichen Erwartungsdruck ausgesetzt. Es gibt für die Betroffenen eines breites Angebot diakonischer Dienste und Einrichtungen, die eine Reihe von Beratungs-, Behandlungs- und Begleitungsangeboten bereithalten, aber bislang nicht optimal vernetzt sind.

Die Handreichung richtet sich an die im BeB zusammengeschlossenen Einrichtungen, an Beratungsstellen und Krankenhäuser sowie die evangelische Krankenhausseelsorge. Mit im Blick sind niedergelassene Gynäkologen, Hebammen, Humangenetiker sowie Kinderärzte und Neonatologen, perspektivisch auch Familienbildungsstätten, Tageseinrichtungen und Schulen. Erreicht werden soll auch eine gegenseitige Unterstützung von Ärzteschaft, Schwangerschafts-konflikt-Beratungsstellen, Frühförderstellen, Eltern-Selbsthilfegruppen, Seelsorgestellen und Einrichtungen der Behindertenhilfe bei der Entwicklung von Kooperationsmodellen und Umsetzung der Empfehlungen vor Ort. Oberstes Ziel ist die kompetente und ganzheitliche Beratung, Aufklärung und Begleitung schwangerer Frauen und ihrer Partner zum frühestmöglichen Zeitpunkt, um einem Klima der Verunsicherung und Angst entgegen zu wirken und Schwangerschaft wieder zu einer Zeit der guten Hoffnung werden zu lassen.

Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) ist ein Fachverband im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland. Seine rund 600 Mitgliedseinrichtungen halten Angebote für mehr als 100.000 Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung aller Altersstufen bereit. Damit deckt der BeB bundesweit annähernd 50 Prozent der Angebote der Behindertenhilfe sowie wesentliche Teile der Sozialpsychiatrie ab. Als Zusammenschluss von evangelischen Einrichtungen, Diensten und Initiativen fördert, unterstützt und begleitet der BeB Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung und deren Angehörige.

 

Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB)
Pressesprecher: Dr. Thomas Schneider
Tel./Fax: 030/83001-274/-275, Mobil: 0160/ 90 24 26 75
E-Mail: schneider@beb-ev.de

 

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