Orientierung Heft 3/2012: Lebensgeschichten – Biografiearbeit mit Menschen mit Unterstützungsbedarf

Liebe Leserin, lieber Leser,Heftcover Orientierung 3/3012

für diese Orientierung fragten wir Menschen, was das wichtigste Erlebnis in ihrem Leben ist:

Das Tollste in meinem Leben?

»Die Geburt meiner Tochter Sarah«
Sabrina Radtke ist tätig in der WfbM des Martinshof Rothenburg. Vor 8 Jahren wurde ihre Tochter Sarah geboren. Das Tollste in meinem Leben war die Geburt meiner Tochter Sarah. Sarah ist jetzt 8 Jahre. Ich unternehme sehr gern etwas mit ihr. Wir gehen gerne baden, fahren Fahrrad oder Inlineskates, gehen ins Kino, auf den Spielplatz oder in den Tierpark, backen Kuchen, fahren Schlittschuh oder spielen Kasse im Kaufmannsladen. Das macht Spaß mit Sarah.

Solche Schlüsselerlebnisse prägen unser Leben. Gerne erinnern wir sie. Schlüsselerlebnisse können aber auch traumatisch sein, können uns unser Leben lang verfolgen oder werden von uns über lange Zeit erfolgreich verdrängt. Schlüsselerfahrungen können auch zu  Lebensbrüchen führen.

Lebensgeschichten setzen sich zusammen aus Schlüsselerlebnissen aber auch aus vielen Alltagserfahrungen. Lebensgeschichten wollen wir mit dieser Orientierung aufspüren. Darüber hinaus wollen wir dazu anregen, sich diesen Lebensgeschichten zuzuwenden: der eigenen, der
von Menschen die uns nahe stehen, aber auch von den Menschen, die wir professionell begleiten.

Dabei geht es nicht nur darum die Lebensgeschichten zu hören, vielmehr geht es darum, das, was uns preis gegeben wird, zu verstehen, die Deutungen des eigenen Lebens in den Geschichten zu erkennen, die Konstruktionen der Biografie wertschätzend wahrzunehmen.
Wenn dies gelingt, werden Biografien lebendig, gelingt ein sich Nahe kommen.

Dabei kann es notwendig werden durch Biografiearbeit Lebensgeschichten erst wiederherzustellen (Erik Weber auf Seite 35), in  erschwerter Biografiearbeit (Seite 39) Menschen mit Lebensbrüchen z.B. durch Hospitalisierung zu unterstützen.

In den Texten dieser Orientierung wird deutlich: Biografiearbeit gelingt nicht einfach so. Sie muss gelernt werden. Methoden der Biografiearbeit werden in dieser Orientierung vorgestellt.

Achim Trobisch stellt am Ende dieser Orientierung fest: Lebensgeschichten durch Biografiearbeit lebendig zu erhalten bedeutet letztlich eine Wertschätzung gegenüber dem Leben.

Werden Sie zu denen, die, wie es Dieter Fischer formuliert, »verstehen wagen wollen«.

Ihr
Martin Herrlich

Editorial und Inhaltsverzeichnis (PDF-Datei)

Weitere Informationen und Leseproben finden Sie unter www.beb-orientierung.de.

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