„Psychisch kranke Menschen brauchen unsere Solidarität“

Die Diakonie Deutschland und der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe wehren sich gegen pauschale Vorurteile und das Schüren von Ängsten

Berlin, 15.11.2019 – Eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag verknüpft Ängste vor Geflüchteten mit einer angeblichen, unberechenbaren Gewaltbereitschaft, die von psychisch kranken und traumatisierten Flüchtlingen ausgehen soll. Nach Einschätzung der Diakonie Deutschland und des Bundesverbandes evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) dient diese Anfrage nicht einer besseren Politik für die Betroffenen, sondern verstärkt Vorurteile gegenüber hilfebedürftigen Menschen.

„Die Herkunft von Menschen und möglicherweise daraus folgende Risiken spielen für eine Behandlung keine Rolle,“ sagt Maria Loheide, Vorstand Sozialpolitik der Diakonie Deutschland. „Ob jemand als Gefährder eingestuft wird, ist nicht Sache von Psychiatern, sondern Aufgabe der Polizei. Wird jemand als Gefährder eingestuft und eine psychische Erkrankung angenommen, muss die Polizei mit der forensischen Psychiatrie zusammenarbeiten“, so Loheide weiter.

„Psychisch kranke Menschen sind weit öfter Opfer als Täter“, erläutert der BeB-Vorsitzende Uwe Mletzko. „Es darf nicht sein, dass hier ein pauschaler Zusammenhang hergestellt und psychische Erkrankung automatisch mit einer drohenden Gefahr für unsere Gesellschaft assoziiert wird. Diese Menschen brauchen unsere Solidarität und ein funktionierendes System der Versorgung und Rehabilitation.“

Sicherlich gibt es psychisch kranke Flüchtlinge, die infolge von Kriegserfahrungen oder den Umständen ihrer Flucht traumatisiert sind. Sie benötigen aber bestmögliche Unterstützung und Hilfe, nicht Ausgrenzung, erklären beide. Daher sei es wichtig, dass sie Zugang zu psychiatrischen und psychotherapeutischen Angeboten haben.

Erst vor wenigen Wochen hatte eine Kleine Anfrage im Deutschen Bundestag nach dem Anteil psychisch kranker Menschen mit Erwerbsminderungsrente gefragt, deren Arbeits- bzw. Leistungsfähigkeit und den volkswirtschaftlichen Verlusten, die dadurch entstehen. Und bereits im vergangenen Jahr wurde in einer Kleinen Anfrage ein abwegiger Zusammenhang zwischen Inzucht, Migration und Behinderung hergestellt.

Diakonie Deutschland und Bundesverband evangelische Behindertenhilfe stellen sich entschieden gegen diese Versuche, die Schwächsten in der Gesellschaft in den Fokus zu nehmen und gegeneinander auszuspielen.

Der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB) ist ein Fachverband der Diakonie. Auf der Grundlage seiner ethischen Haltung, seines christlichen Menschenbildes sowie der UN-Behindertenrechtskonvention setzt er sich für die Belange von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung und deren Angehörigen ein. Zwei gewählte Beiräte aus diesen Personengruppen begleiten den BeB im kritisch-konstruktiven Dialog. Als Interessenvertretung von über 600 evangelischen Einrichtungen, Diensten und Initiativen der Behindertenhilfe und Sozialpsychiatrie arbeitet der BeB daran, die gesellschaftlichen und sozialpolitischen Rahmenbedingungen zu verbessern, die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in ihrer Vielfalt zu fördern sowie umfassende Mitbestimmung von Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung zu realisieren.

Diese Pressemitteilung wird von den Pressestellen der Diakonie Deutschland und des BeB versandt. Doppelsendungen bitten wir zu entschuldigen.

Pressekontakt:

Dr. Thomas Schneider

Politische Kommunikation/PR
Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. (BeB)

Invalidenstraße 29, 10115 Berlin

Tel.| Fax: 030/ 83001-274 | -275
Mobil: 0160/ 90 24 26 75
E-Mail: schneider@beb-ev.de

Internet: www.beb-ev.de | www.beb-mitbestimmen.de (Projekt „Index für Partizipation“)

Twitter: @schneider_BeB (BeB Kommunikation) | @BeBunterwegs (BeB unterwegs)

Pressemitteilung vom 15. November 2019

Schriftgröße
Kontraste