Orientierung Heft 3/2020: Arbeit 2020

Heftcover

Liebe Leser*innen,

vor kurzem wussten viele von uns noch nicht, was der Unterschied zwischen einer FFP2- oder einer MNS-Maske ist. Jetzt tummeln wir uns in Video-Konferenzen, waschen uns deutlich häufiger als sonst die Hände und singen dabei zweimal „Happy birthday to you“, weil wir gelesen haben, dass dann die 30 Sekunden Mindestwaschzeit herum sind. Kaum sind die Hände ordentlich und gründlich abgetrocknet, gönnen wir uns noch eine kräftige Portion Hand-Desinfektionsmittel auf die schon spröde gewordenen Hände. Türklinken öffnen wir souverän mit dem Ellbogen, wir begrüßen uns, statt mit Handschlag, mit einem freundlichen Lächeln.

Im Homeoffice freuen wir uns, dass die Technik heute ganz unkompliziert klappt, manchmal verzweifeln wir auch, weil der Computer nicht das tut, was wir erhofften. Nebenher begleiten wir unsere Kinder noch beim Homeschooling und stellen fest, dass, wenn die Kinder gerade einen Lehrfilm streamen, bei uns gar nichts mehr geht.

Wir halten Abstand und merken, dass dies gelingt. Zumindest, wenn unser Gegenüber Einsicht in und Verständnis für die Hygieneregeln zeigt. Schwierig wird es, wenn z. B. Klient*innen dennoch nach Kontakt suchen oder wenn wir in Pflegesituationen Menschen körperlich nahe sein müssen. Dann schützen wir uns mit Masken, Schutzkleidung, Gesichtsschirmen, Kopfbedeckungen und Handschuhen. Menschen mit Unterstützungsbedarf reagieren sehr  unterschiedlich, wenn Mitarbeitende plötzlich ihr Gesicht teilweise hinter einer Maske verbergen. Manche nehmen es cool und gelassen, andere sind sichtlich verunsichert und wollen, dass die Maske wegkommt.

Arbeit 2020 haben wir diese aktuelle Ausgabe der Orientierung überschrieben. Als wir die Artikel angefragt haben, konnte noch niemand ahnen, wie massiv das Corona-Virus in unser aller Leben eindringt – auch wenn wir uns nicht infiziert haben. Wir hatten noch keine Vorstellung davon, wie Kontaktbeschränkungen das Privatleben verändern und wie sich das berufliche Tun durch die notwendigen (Hygiene-)Schutzmaßnahmen verändert.

Die Autor*innen hatten das alles beim Verfassen der Artikel noch nicht im Blick. Dennoch blitzt Corona immer wieder im Heft auf.

Bei der Gesamtschau der Artikel sind es drei Begriffe, die uns als roter Faden in den Sinn kamen: Tätigsein, Teilhaben, Schaffen. All dies ist und ermöglicht Arbeit und zwar für ALLE Menschen, auch die, denen ein „Mindestmaß an wirtschaftlich verwertbarer Arbeit“ abgesprochen wird. Denn beim Arbeiten schaffen (schwäbisch) wir nicht nur, sondern wir er-schaffen auch etwas.

Ich wünsche Ihnen interessante Einblicke beim Lesen des Heftes „Arbeit 2020“. Darüber hinaus wünsche ich Ihnen ein gutes Ertragen und Gestalten der durch Corona hervorgerufenen besonderen Arbeitssituationen. Mögen wir damit dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen gesund bleiben! Vor allem wünsche ich Ihnen und allen Menschen, die Ihnen beruflich oder privat auch mit Einhaltung des Mindestabstandes nahestehen, ein „Bleiben Sie gesund“!

Ihr Martin Herrlich

Weitere Informationen und Leseproben finden Sie unter www.beb-orientierung.de

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